Als sich Ende 2011 der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) selbst
enttarnte, fragte man sich, wie es einer rechtsextremen Terrorzelle,
getragen von einem Netzwerk, darunter auch V-Männer des
Verfassungsschutzes, gelingen konnte, über 20 Jahre unbemerkt zu morden,
Sprengstoffanschläge zu verüben und Raubüberfälle zu begehen, ohne dass
die Behörden etwas davon mitbekamen? Im Zuge des Prozesses gegen die
Täter und Unterstützer des NSU, sowie der Ermittlungen der acht
parlamentarischen Ausschüsse zu den Hintergründen, stellte sich auch die
Frage, wie „Politisch motivierte Kriminalität – Rechts“ (PMK-R), besser
zu erkennen sei und welche Kriterien dafür maßgeblich sind. Auf Geheiß
des Bundesinnenministeriums (BMI) überprüften das BKA und alle
Landeskriminalämter daraufhin über 3.300 unaufgeklärte, versuchte und
vollendete Tötungsdelikte auf ein rechtsextremes Tatmotiv. 2009 gab die
Bundesregierung 46 Todesopfer rechtsextremer Gewalt seit der
Wiedervereinigung an. 2015 und zuletzt im Juni 2018 wurde diese Zahl auf
83 korrigiert. Dies ist bis heute die offizielle und amtliche Angabe in
diesem Zusammenhang. Zeitungen, Verbände und Stiftungen gehen
allerdings von einer weitaus umfangreicheren Liste der Opfer von PMK-R
aus, die sich kontinuierlich fortschreibt. Stand heute (August 2019):
196 Opfer von PMK-Rechts.
Das Projekt 196ff macht diese Liste öffentlich. In einer frei
begehbaren räumlichen Installation werden die Opfergeschichten
dokumentiert. Schaufensterpuppen werden via Projektion zum Sprechen
gebracht. Sie schildern die Namen der Opfer und die Umstände der Tat,
sachlich, deutlich und unerbittlich. Eine Zumutung, der sich
auszusetzen, gerade in Anbetracht der aktuellen politischen Situation,
absolut notwendig erscheint.
Eine Produktion der Cammerspiele Leipzig in Kooperation mit dem Institut B3 e.V.
KONZEPTION/ REGIE: Ricardo Endt, Christian Hanisch //// VIDEO-/AUDIO: Franz Hauptvogel //// PERFORMENCE: Johannes Gabriel, Gwen Kyrg, Marco Runge, Victoria Weber
Eine Produktion der Cammerspiele Leipzig in Kooperation mit dem Institut B3 e.V.
KONZEPTION/ REGIE: Ricardo Endt, Christian Hanisch //// VIDEO-/AUDIO: Franz Hauptvogel //// PERFORMENCE: Johannes Gabriel, Gwen Kyrg, Marco Runge, Victoria Weber